Religiöses.

Vor einigen Wochen hörte ich erstmals von dem Gerücht, Ikea gehöre zu Scientology. Woraufhin ich mir überlegt habe, ob das jetzt gut oder schlecht für mich ist. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es mir egal sein kann. Ich werde auch weiterhin dort einkaufen gehen und die Köttbullar sind auch immer noch lecker.

Tatsächlich bewegte mich das ganze aber zu der Frage: Was weiß ich überhaupt über Scientology?

Im Grunde nichts weiter als das, was in den Medien darüber berichtet wird. L. Ron Hubbard, auf dessen Schriften diese Lehren beruhen; Tom Cruise, das Vorzeigeschild dieser vermeintlichen Sekte.

Was tut man, wenn man keine Ahnung hat? Richtig. Man hackt de.wikipedia.org in die Adresszeile seines Browsers ein und sucht nach „Scientology“. Der folgende Artikel fängt recht harmlos an, etwas Geschichtliches, Begriffserklärungen, Mitgliederzahl etc. Ich gebe zu, dass ich das Ganze gar nicht mal so schlecht fand. Dieses Gerede über „psychotherapeutisch anmutenden Komponenten“, verbesserte Lebensqualitäten – konnte das schlecht sein?

Gemäß Scientology besteht das Universum aus Materie, Energie, Raum und Zeit, der Mensch hingegen aus Thetan, Verstand und Körper. Ferner ist das Universum nicht tatsächlich existent und wird nur durch die Kraft unseres Geistes (Thetan) erschaffen.

Thetane werden fortlaufend wiedergeboren, verloren aber in der Vergangenheit durch diverse Traumata ihre Fähigkeiten (u. A. durch den Xeno-Mythos, wo das „Böse“ – oder wie Wikipedia so schön formulierte: der „das „Böse“ verkörpernden intergalaktischen Herrscher“ – sämtliche Thetane auf die Erde verbannte und derartig schwer traumatisierte, dass sie fortan körperlos in den Menschen inne wohnten. Dieser Mythos ist allerdings nicht zentraler Schwerpunkt und nicht von allen Mitgliedern anerkannt).

Der Verstand ist eine Art Mittelsmann zwischen Thetan und Körper und gliedert sich in zwei Teile. Während der erste Teil für das Speichern von Erfahrungen zur späteren Problemlösung dient, speichert der zweite Teil sowohl physische als auch psychische Schmerzen als Engramme, welche wiederum die Thetane extrem in ihren verbleibenden Fähigkeiten weiter einschränken.

Außerdem gibt es noch supressive persons. Alle Menschen sollten sich dem Wohl der Gemeinheit verpflichten, aber solche „unterdrückerischen Personen“ tun dies nicht und schädigen somit der Gemeinschaft. Der Umgang mit denselben muss unter allen Umständen vermieden werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Familienmitglieder oder Freunde handelt.

Vieles von dem erinnert mich stark an das mentale Training. Gemäß dem Gesetz der Resonanz zieht der Mensch immer das an, was er sendet. Wer morgens aufsteht und jammert „Heute wird ein beschissener Tag“ – der wird auch garantiert einen bescheidenen Tag haben. Ein krebskranker Mittvierziger, der sich mit seinem Tod schon abgefunden und keinerlei Lebensfreude mehr hat, wird auch keine 80 Jahre mehr alt. Auf diese Art und Weise konstruieren wir unsere eigene Realität. Ich stelle mir Scientology gerade als eine weiterentwickelte und komplexere Form dieses Gedankens vor.

Spätestens seit dem Vorfall, bei dem Tom Cruise wohl heimlich gefilmt wurde, dürfte jedem das „Auditing“ ein Begriff sein. Dies ist eine der wichtigsten Methoden, um seinen Thetanen zu heilen. Zusätzlich müssen Vitamine eingenommen werden und regelmäßige Sauna-Gänge zur Reinigung stehen auf dem Plan.

So weit – so gut. Bis hierhin konnte ich nichts wirklich Verwerfliches feststellen, wobei diese Frage natürlich jeder für sich selbst beantworten muss. Ich denke, dass wenn man tief im Innersten wirklich diesen Glauben teilt, dann kann man sich damit abfinden, zum Auditing zu gehen und auch den Umgang mit „supressive persons“ vermeiden – sei es Familie oder Freunde.

Ein großer Vorwurf lautet allerdings auf rein finanzieller Ausnutzung der Mitglieder, also Gewinnorientierung; als Steuersparmodell wurde dann eine Religion geformt. Ob dies tatsächlich der Fall ist, darüber streiten diverse Spezialisten. Einig sind sich alle wohl nur in dem einen Punkt: viele Mitglieder sind aus tatsächlich rein religiösen Überzeugungen Scientology beigetreten.

Dann stolperte ich über die Absicht der Organisation, die Psychatrie abzuschaffen. Psychopharmaka sind verboten; eine Geburt darf ausschließlich lautlos von Statten gehen. Diese Verbote gehen sogar soweit, dass eine Scientologin nach einem Verkehrsunfall aufgrund ungenügender medizinischer Versorgung seitens der Mitglieder verstarb.

Meine Suche ging weiter und ich landete schließlich auf der offiziellen deutschsprachigen Homepage. In dem Buch „Die Wissenschaft des Überlebens“ des Autors L. Ron Hubbard findet sich auf der Homepage folgende Textpassage:

„Keine Kultur in der Geschichte der Welt – außer den verderbtesten und aussterbenden – hat es versäumt, die Existenz eines Höchsten Wesens zu bestätigen. Es ist eine empirische Beobachtung, dass Menschen ohne starken und beständigen Glauben an ein Höchstes Wesen weniger fähig, weniger ethisch und weniger wertvoll für sich selbst und die Gesellschaft sind. … Allein aufgrund von Beobachtungen lässt sich sagen, dass ein Mensch ohne festen Glauben eher ein Ding als ein Mensch ist.“

Wenn wir die Frage nach der Definition von „ohne festen Glauben“ einmal außer Acht lassen, so stößt mir diese Aussage doch sauer auf. Ich bin ein Ding? Eine derartige Pauschalisierung steht meiner Meinung nach im krassen Widerspruch zu der von Scientology so geschätzten Individualität.

Um Mitglieder zu werben, wird bei vielen der „Ruin-Punkt“ gesucht, also die Schwachstelle. Auf diesen wird dann einfühlsam eingegangen und man wird in Kurse gesteckt, um diese Schwachstelle zu bekämpfen. Solche Kurse kosten mitunter ein kleines Vermögen und wer nicht genug Geld hat, muss eben einen Kredit aufnehmen.

Kinder werden übrigens wie Erwachsene behandelt. Und spätestens an diesem Punkt ist für mich eine Grenze überschritten.

Es gibt einige grundsätzliche Dinge, die mir ganz gut an Scientology gefallen. Das Problem ist, dass man am Ende nie wirklich weiß, ob die Worte dieser Organisation ernst gemeint und absolut religiös aufzufassen sind, oder ob es sich bei all dem tatsächlich um eine einzige groß angelegte Gehirnwäsche handelt. Mit zu vielen Dingen bin ich einfach nicht einverstanden. Handelt man nicht streng nach deren Glaubenssätzen, gehört man nicht wirklich dazu. Ein Zwischending gibt es nicht. Für mich stellt sich daher an dieser Stelle gar nicht mehr erst die Frage des näheren Kennen lernen.

Bitte glaubt woran ihr wollt. Aber sobald andere Menschen da mit hineingezogen werden, oder gar Kinder, endet für mich der Spaß.

Und gehört Ikea jetzt tatsächlich zu Scientology? Google kennt hierauf keine eindeutige Antwort. Zumindest werden die Kinder im Smaland nicht wie Erwachsene behandelt.

War was?

Das Tittenmonster ist tot.

Entschuldigung. Das ist respektlos. Wollen wir uns kurz auf höheres Niveau begeben und uns der Frage stellen: Wer ist Cora?

Keine Ahnung. Hat irgendwas mit Big Brother zu tun. Und Pornos. Und großen Möpsen. Es ist immer tragisch, wenn jemand stirbt, aber dass die Meldung ihres Todes in meiner Timeline größere Wellen schlägt als der politische Umbruch in Tunesien, DAS ist eine Tragödie.

Bevor ihr mir jetzt alle auf’s Dach steigt: Ich freue mich NICHT über ihren Tod.

Aber sie ist es selber schuld. Nach der vierten Operation haben die polnischen Ärzte ihr von einer weiteren Brustvergrößerung abgeraten mit der Begründung, dass bei ihrer zierlichen Gestalt die anatomischen Grenzen erreicht wurden. Wer diesen Hinweis ignoriert und sich einen Arzt sucht, der dennoch bereit zu einer Operation ist, hat meiner Meinung nach den Schuss nicht mehr gehört.

Böses Facebook.

Wer sich in einem sozialen Netzwerk anmeldet und ein Profil einrichtet, der muss damit rechnen, dass früher oder später seine Daten geklaut werden könnten. Oder aber, dass sein so genanntes „Real Life“ verkümmert und sich gänzlich in die virtuelle Welt verlagert.

Oder sogar beides.

Wer kennt sie nicht? Die zahllosen Diskussionen über Sinn und Unsinn etwaiger Plattformen wie Facebook, Xing, studiVZ & Co. Kritisiert werden hier oftmals eine mögliche degenerative Entwicklung echter sozialer Kontakte und erhebliche Mängel beim Datenschutz.

Bei den Mängeln handelt es sich unter anderem um die Weitergabe von persönlichen Informationen an Dritte (siehe Beispiel Facebook). Mit diesen Mitteln soll unter Anderem gezielter Werbung auf den entsprechenden Profilen geschaltet werden. Wer sich registriert und anmeldet, der willigt automatisch in die Datenschutzbedingungen ein. Sehr zum Nachteil der Minderjährigen und „Dummen“ unter uns. Denn diese machen sich „zumeist keine Gedanken über die Gefahren“. Heißt aber auch: Eigenes Versagen. Die Ausrede zieht einfach nicht mehr. Unwissenheit schützt nicht, heißt es eben doch so schön. Manchmal habe ich aber den Eindruck, dass der ein oder andere nur dann davon Gebrauch macht, wenn es ihm am besten in den Kram passt.

Gleiches gilt doch auch für jeden anderen Bereich. Wie schnell hat man einen neuen Handy-Vertrag abschlossen, eine Zeitschrift abonniert, an einem Gewinnspiel teilgenommen. Und was braucht man dafür? Richtig. Informationen. Empfindliche Informationen. Nirgends ist es anders. Und obwohl der Datenmissbrauch bei Facebook von vielen so kritisiert wird, haben von 100 Profilen auf Facebook nur 51 % lediglich Freunde und / oder Profilfoto und / oder Wohnort preisgegeben. Die restlichen 49 % geben an, wo sie arbeiten, welcher Religion sie zugehörig sind, ihre Handynummer, Geburtsdatum… Die 500 Millionen Mitglieder – die trotz und alledem da sind und weiter wachsen – erwähnen wir am besten gar nicht erst.

Aber es war schon immer einfacher, die Schuld auf andere zu schieben, statt sich selbst um etwas zu kümmern. Das ist Scheuklappendenken. Es trifft immer die Anderen. Und wenn ich doch dran glauben musste, dann war es nicht meine Schuld. Ganz einfach. Und wer unbedingt doch private Daten ins Netz stellen möchte, könnte sich ja immer noch der Privatsphäre-Einstellungen bedienen. So schwer ist das ja auch nicht. Der Haken daran ist nur: Setzt man sich damit auseinander, hat man nichts mehr zu Mosern.

Und was soll die ganze Aufregung um die „Freunde“? Diesen Begriff sollte man innerhalb eines sozialen Netzwerkes nicht zu ernst nehmen. Jeder versteht, was damit gemeint ist. Welcher andere Name würde denn sonst passen? Bekanntschaften? Klingt eher wie Ex-One-Night-Stands. Kontakte? Hat was von einem Telefonbuch. Letztlich sollen diese Netzwerke ja auch Spaß machen. Und zum ersten Mal habe ich ganz unkompliziert die Möglichkeit, mit meinen Freunden vom anderen Ende Deutschlands Kontakt zu halten. Eine Freundin hat studiVZ genutzt, um sich dort mit ihren Kommilitonen während des Studiums auszutauschen. Ein anderer Freund ist jetzt immer auf dem Laufenden, wie es seiner Familie im Ausland geht.

Manche sind eben doch nur glücklich, wenn sie etwas habe, worüber sie sich aufregen können.

Wo ist Deutschlands Wertgefühl hin?

Dieser Artikel war ursprünglich für einen ganz bestimmten Zweck gedacht. Erwartet wurde ein Text mit maximal 4.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen), was je nach Schriftart und -größe gerade mal 1,5 Seiten in Word bedeutet.

Ich bin mir durchaus bewusst darüber, dass dieses Thema ausführlicher behandelt werden müsste. Ich werde ihn daher eventuell in absehbarer Zeit überarbeiten und komplettieren.

Warum haben wir aufgehört, uns durch unser Land zu definieren? Wo ist unser Wertgefühl geblieben?

Der moderne „Deutsche Nationalstolz“ hat nicht mehr viel mit echtem Patriotismus zu tun. Ausgeprügelt wurde er uns – zu Recht. Wie getretene Hunde ziehen wir die Köpfe ein, wenn wir an unsere Nationalität denken.

Ein Problem der Deutschen, das eigentlich keines sein sollte. Denn für was wir uns schämen liegt mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. Trotzdem hat es fast jeder von uns, vorgelebt von der eigenen Familie.

Doch wenn unsere National-Elf bei der WM 2010 ein historisches Tor nach dem anderen schießt, oder wenn Lena in Oslo abräumt, dann sind wir alle Deutschland. Einige wenige unter uns nutzen solche Situationen eventuell aus rein opportunistischen Motiven, wollen dazugehören, dem Ruf der Gemeinschaft folgen. Was mitunter jene stören mag, die sich nie von der Vergangenheit ihre Liebe zum Vaterland haben nehmen lassen. Andere nutzen solche Gelegenheiten, sich zu bekennen und ihrem Nationalgefühl Ausdruck zu verleihen.

Denn jeder braucht ein Vorbild. Sei es einen Präsidenten, eine Kanzlerin, oder eben einen Helden. Einen ganz modernen, aber menschlichen Helden. Zum Beispiel einen Bundestrainer. Wir leben in einer Spaßgesellschaft. Politische Führungskräfte sind wichtig, aber für den Otto Normalverbraucher intellektuell zu anstrengend. An Lena aber kann sich jeder lehnen. Man kann zu ihr aufsehen, sie bewundern, sie kritisieren, sie lieben, sie in Frage stellen. Eben eine alltagstaugliche Heldin, mit der wir uns identifizieren können.

Also ist der Gelegenheitsstolz eigentlich wohl kein falscher Stolz, sondern unterdrückter. Ist es wirklich nötig, sich für eine Vergangenheit zu schämen, mit der unsere Generation nichts mehr zu tun hat? Oder anders: Haben wir etwas, auf das wir stolz sein können?

Haben wir.

Aller Bürokratie zum Trotz hat jeder die Möglichkeit, sich zu verwirklichen. Und ganz gleich was Pisa sagen mag: wer sich wirklich Mühe gibt, kann ein gutes Bildungssystem nutzen.

Wir leben in einem reichen Land und haben in den vergangenen Jahrzehnten eine große Entwicklung durchgemacht. Unser Gesundheitssystem ist durchaus beachtlich. In wenigen Ländern gibt es eine bessere Versorgung.

Und egal wie sehr wir uns über die Politiker aufregen, unser Sozialsystem ist effektiv und – wenn auch nicht vollkommen – doch recht ansehnlich.

Für all das trägt auch unsere Generation die Verantwortung.

Wir haben keinen Grund uns für unsere Vergangenheit zu schämen. Nur vergessen dürfen wir sie nicht, wenn wir verhindern wollen, dass sich derart Schreckliches wiederholt.

Stattdessen sollten wir lernen uns zu bekennen. Wir sollten unsere Augen öffnen und entdecken, was wirklich gut ist. Ein gesundes Mittelmaß zwischen Stolz und Bewusstsein gegenüber der Vergangenheit befähigt uns am Ende, uns weiter zu entwickeln und zuversichtlich in die Zukunft zu blicken, um ihr selbstbewusst entgegen treten zu können.