Nach meinem Aufruf nach Buchempfehlungen bei Twitter und Facebook erreichten mich zahlreiche Vorschläge. Einzige Vorgabe war, dass es nichts kitschiges sein durfte. Dafür gerne spannend. Nachdem ich einige Titel aussortiert habe, die ich entweder schon gelesen habe oder als uninteressant abstempelte, blieb ich schließlich bei Gianrico Carofiglio’s „Das Gesetz der Ehre“ hängen. Empfohlen wurde mir dieses Buch von meinem Chef.

Ein kurzer Auszug seiner Bio aus dem Buch:

„Gianrico Carofiglio wurde 1961 in Bari geboren und arbeitete in seiner Heimatstadt viele Jahre als Antimafia-Staatsanwalt. 2007 war er als Berater der italienischen Regierung für den Bereich organisierter Kriminalität tätig. Seit 2008 ist Gianrico Carofiglio Mitglied des italienischen Senats. (…)“

Das Ganze klang für mich nach einem italienischen John Grisham. Was okay ist, denn ich lese gerne Grisham. Zunächst hatte mich diese Vorstellung jedoch abgeschreckt. In der Vergangenheit habe ich zu viele King und Grisham Bücher nacheinander gelesen, was – obwohl ich beide Autoren sowohl schätze als auch jederzeit empfehlen würde – zu einer leichten Lese-Allergie geführt hat. Aber jeder Autor ist anders und so kann auch die gleiche Geschichte auf ganz unterschiedliche Arten erzählt werden. Ich glaube an Individualität.

Ich gab ihm eine Chance.

Gianrico Carofiglio hat in Italien bereits mehrere Bücher veröffentlich, davon vier hier in Deutschland, wiederum drei davon mit seiner fiktiven Hauptperson Guido Guerrieri, seines Zeichens Anwalt. Das Gesetz der Ehre ist beim Goldmann-Verlag als Taschenbuch erschienen.

Die Geschichte handelt von besagtem „Avvocato“ Guerrieri und seinem Kampf gegen Intrigen und sogar der Mafia. Und als wäre dies nicht genug, so muss er schnell feststellen, dass es sich bei seinem vorgeblich unschuldigen Mandanten um eine alte, längst nicht verarbeitete Begegnung aus alten Kindertagen handelt, die ihn in einen persönlichen Gewissens- und Interessenskonflikt verstrickt.

Der Nr. 1 Bestseller aus Italien ist leicht verständlich und angenehm zu lesen. Ideal also für die Bahnfahrt nach einem langen Arbeitstag. Die Hauptfigur Guerrieri ist einem auf Anhieb sympathisch und auch wenn sich dieser hin und wieder zu gewissen Fehltritten hinreißen lässt (So versieht er zum Beispiel diverse Unterlagen gerne mit Notizzetteln und lässt diese überall rumfliegen. Einmal landete eines dieser Zettel beim Richter, welcher Guerriere sofort herzitierte. Der Grund war neben den Bemerkungen zu seinem Mandanten „Schwein“ und „Halunke“ außerdem noch „Schwuchtel“. Oder auch die Affäre mit der Ehefrau seines inhaftierten Mandanten.) muss man ihn einfach gern haben, wenn man erkennt, dass unter seiner scheinbar seriösen und unerschütterlichen Oberfläche eigentlich ein gewöhnlicher Mensch mit all seinen unerfüllten Wünschen, Sehnsüchten und auch Unsicherheiten steckt.

Ansonsten bleibt nur zu sagen, dass sich Carofiglio mit der Spannung doch sehr zurück hält. Eigentlich beginnt die Geschichte erst am Ende Spannung aufzubauen. Bis dahin ist sie eher unspektakulär und fast schon fad. Letztlich handelt die Geschichte eben doch nur von einem Mann, in dessen Wagen man auf seiner Heimfahrt vom Familienurlaub vierzig Kilo Rauschgift gefunden wurde. Um das Ganze etwas aufzupeppen wurde eine angehende Liebesbeziehung zwischen der Ehefrau des Mandanten und Guerriere gesponnen und das ganze noch mit unverarbeiteten Begegnungen aus dessen Jugend gewürzt. Alles etwas lasch geworden. Auf gerade mal 282 Seiten hätte man vermutlich sprachlich etwas gewitzter formulieren müssen, denn auch wenn mir die einfache Sprache gefallen hat, so ist die Kombi „flache Story + einfache Sprache + 282 Seiten“ nicht gerade das, was ich persönlich von guter Unterhaltung erwarte, geschweige denn von einem Nr. 1 Bestseller.

Wer also auch zuviel anspruchsvollere Lektüre hinter sich hat, ist zur Abwechselung mit diesem Buch gut bedient. Vielleicht werde ich mir in den nächsten Monaten noch die beiden anderen Abenteuer von Avvocato Guerriere anschaffen, bis dahin allerdings werde ich die Finger davon lassen.

 

Gianrico Carofiglio

„Das Gesetz der Ehre“

Als Taschenbuch erschienen im Goldmann-Verlag

Deutsch von Claudia Schmitt

ISBN 978-3-442-46792-1

€ 8,95 [D]

€ 9,20 [A]

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Religiöses.

On 25/01/2011, in Meinung, by Sandra

Vor einigen Wochen hörte ich erstmals von dem Gerücht, Ikea gehöre zu Scientology. Woraufhin ich mir überlegt habe, ob das jetzt gut oder schlecht für mich ist. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es mir egal sein kann. Ich werde auch weiterhin dort einkaufen gehen und die Köttbullar sind auch immer noch lecker.

Tatsächlich bewegte mich das ganze aber zu der Frage: Was weiß ich überhaupt über Scientology?

Im Grunde nichts weiter als das, was in den Medien darüber berichtet wird. L. Ron Hubbard, auf dessen Schriften diese Lehren beruhen; Tom Cruise, das Vorzeigeschild dieser vermeintlichen Sekte.

Was tut man, wenn man keine Ahnung hat? Richtig. Man hackt de.wikipedia.org in die Adresszeile seines Browsers ein und sucht nach „Scientology“. Der folgende Artikel fängt recht harmlos an, etwas Geschichtliches, Begriffserklärungen, Mitgliederzahl etc. Ich gebe zu, dass ich das Ganze gar nicht mal so schlecht fand. Dieses Gerede über „psychotherapeutisch anmutenden Komponenten“, verbesserte Lebensqualitäten – konnte das schlecht sein?

Gemäß Scientology besteht das Universum aus Materie, Energie, Raum und Zeit, der Mensch hingegen aus Thetan, Verstand und Körper. Ferner ist das Universum nicht tatsächlich existent und wird nur durch die Kraft unseres Geistes (Thetan) erschaffen.

Thetane werden fortlaufend wiedergeboren, verloren aber in der Vergangenheit durch diverse Traumata ihre Fähigkeiten (u. A. durch den Xeno-Mythos, wo das „Böse“ – oder wie Wikipedia so schön formulierte: der „das „Böse“ verkörpernden intergalaktischen Herrscher“ – sämtliche Thetane auf die Erde verbannte und derartig schwer traumatisierte, dass sie fortan körperlos in den Menschen inne wohnten. Dieser Mythos ist allerdings nicht zentraler Schwerpunkt und nicht von allen Mitgliedern anerkannt).

Der Verstand ist eine Art Mittelsmann zwischen Thetan und Körper und gliedert sich in zwei Teile. Während der erste Teil für das Speichern von Erfahrungen zur späteren Problemlösung dient, speichert der zweite Teil sowohl physische als auch psychische Schmerzen als Engramme, welche wiederum die Thetane extrem in ihren verbleibenden Fähigkeiten weiter einschränken.

Außerdem gibt es noch supressive persons. Alle Menschen sollten sich dem Wohl der Gemeinheit verpflichten, aber solche „unterdrückerischen Personen“ tun dies nicht und schädigen somit der Gemeinschaft. Der Umgang mit denselben muss unter allen Umständen vermieden werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Familienmitglieder oder Freunde handelt.

Vieles von dem erinnert mich stark an das mentale Training. Gemäß dem Gesetz der Resonanz zieht der Mensch immer das an, was er sendet. Wer morgens aufsteht und jammert „Heute wird ein beschissener Tag“ – der wird auch garantiert einen bescheidenen Tag haben. Ein krebskranker Mittvierziger, der sich mit seinem Tod schon abgefunden und keinerlei Lebensfreude mehr hat, wird auch keine 80 Jahre mehr alt. Auf diese Art und Weise konstruieren wir unsere eigene Realität. Ich stelle mir Scientology gerade als eine weiterentwickelte und komplexere Form dieses Gedankens vor.

Spätestens seit dem Vorfall, bei dem Tom Cruise wohl heimlich gefilmt wurde, dürfte jedem das „Auditing“ ein Begriff sein. Dies ist eine der wichtigsten Methoden, um seinen Thetanen zu heilen. Zusätzlich müssen Vitamine eingenommen werden und regelmäßige Sauna-Gänge zur Reinigung stehen auf dem Plan.

So weit – so gut. Bis hierhin konnte ich nichts wirklich Verwerfliches feststellen, wobei diese Frage natürlich jeder für sich selbst beantworten muss. Ich denke, dass wenn man tief im Innersten wirklich diesen Glauben teilt, dann kann man sich damit abfinden, zum Auditing zu gehen und auch den Umgang mit „supressive persons“ vermeiden – sei es Familie oder Freunde.

Ein großer Vorwurf lautet allerdings auf rein finanzieller Ausnutzung der Mitglieder, also Gewinnorientierung; als Steuersparmodell wurde dann eine Religion geformt. Ob dies tatsächlich der Fall ist, darüber streiten diverse Spezialisten. Einig sind sich alle wohl nur in dem einen Punkt: viele Mitglieder sind aus tatsächlich rein religiösen Überzeugungen Scientology beigetreten.

Dann stolperte ich über die Absicht der Organisation, die Psychatrie abzuschaffen. Psychopharmaka sind verboten; eine Geburt darf ausschließlich lautlos von Statten gehen. Diese Verbote gehen sogar soweit, dass eine Scientologin nach einem Verkehrsunfall aufgrund ungenügender medizinischer Versorgung seitens der Mitglieder verstarb.

Meine Suche ging weiter und ich landete schließlich auf der offiziellen deutschsprachigen Homepage. In dem Buch „Die Wissenschaft des Überlebens“ des Autors L. Ron Hubbard findet sich auf der Homepage folgende Textpassage:

„Keine Kultur in der Geschichte der Welt – außer den verderbtesten und aussterbenden – hat es versäumt, die Existenz eines Höchsten Wesens zu bestätigen. Es ist eine empirische Beobachtung, dass Menschen ohne starken und beständigen Glauben an ein Höchstes Wesen weniger fähig, weniger ethisch und weniger wertvoll für sich selbst und die Gesellschaft sind. … Allein aufgrund von Beobachtungen lässt sich sagen, dass ein Mensch ohne festen Glauben eher ein Ding als ein Mensch ist.“

Wenn wir die Frage nach der Definition von „ohne festen Glauben“ einmal außer Acht lassen, so stößt mir diese Aussage doch sauer auf. Ich bin ein Ding? Eine derartige Pauschalisierung steht meiner Meinung nach im krassen Widerspruch zu der von Scientology so geschätzten Individualität.

Um Mitglieder zu werben, wird bei vielen der „Ruin-Punkt“ gesucht, also die Schwachstelle. Auf diesen wird dann einfühlsam eingegangen und man wird in Kurse gesteckt, um diese Schwachstelle zu bekämpfen. Solche Kurse kosten mitunter ein kleines Vermögen und wer nicht genug Geld hat, muss eben einen Kredit aufnehmen.

Kinder werden übrigens wie Erwachsene behandelt. Und spätestens an diesem Punkt ist für mich eine Grenze überschritten.

Es gibt einige grundsätzliche Dinge, die mir ganz gut an Scientology gefallen. Das Problem ist, dass man am Ende nie wirklich weiß, ob die Worte dieser Organisation ernst gemeint und absolut religiös aufzufassen sind, oder ob es sich bei all dem tatsächlich um eine einzige groß angelegte Gehirnwäsche handelt. Mit zu vielen Dingen bin ich einfach nicht einverstanden. Handelt man nicht streng nach deren Glaubenssätzen, gehört man nicht wirklich dazu. Ein Zwischending gibt es nicht. Für mich stellt sich daher an dieser Stelle gar nicht mehr erst die Frage des näheren Kennen lernen.

Bitte glaubt woran ihr wollt. Aber sobald andere Menschen da mit hineingezogen werden, oder gar Kinder, endet für mich der Spaß.

Und gehört Ikea jetzt tatsächlich zu Scientology? Google kennt hierauf keine eindeutige Antwort. Zumindest werden die Kinder im Smaland nicht wie Erwachsene behandelt.

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