Wo ist Deutschlands Wertgefühl hin?

On 11/08/2010, in Meinung, by Sandra

Dieser Artikel war ursprünglich für einen ganz bestimmten Zweck gedacht. Erwartet wurde ein Text mit maximal 4.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen), was je nach Schriftart und -größe gerade mal 1,5 Seiten in Word bedeutet.

Ich bin mir durchaus bewusst darüber, dass dieses Thema ausführlicher behandelt werden müsste. Ich werde ihn daher eventuell in absehbarer Zeit überarbeiten und komplettieren.

Warum haben wir aufgehört, uns durch unser Land zu definieren? Wo ist unser Wertgefühl geblieben?

Der moderne „Deutsche Nationalstolz“ hat nicht mehr viel mit echtem Patriotismus zu tun. Ausgeprügelt wurde er uns – zu Recht. Wie getretene Hunde ziehen wir die Köpfe ein, wenn wir an unsere Nationalität denken.

Ein Problem der Deutschen, das eigentlich keines sein sollte. Denn für was wir uns schämen liegt mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. Trotzdem hat es fast jeder von uns, vorgelebt von der eigenen Familie.

Doch wenn unsere National-Elf bei der WM 2010 ein historisches Tor nach dem anderen schießt, oder wenn Lena in Oslo abräumt, dann sind wir alle Deutschland. Einige wenige unter uns nutzen solche Situationen eventuell aus rein opportunistischen Motiven, wollen dazugehören, dem Ruf der Gemeinschaft folgen. Was mitunter jene stören mag, die sich nie von der Vergangenheit ihre Liebe zum Vaterland haben nehmen lassen. Andere nutzen solche Gelegenheiten, sich zu bekennen und ihrem Nationalgefühl Ausdruck zu verleihen.

Denn jeder braucht ein Vorbild. Sei es einen Präsidenten, eine Kanzlerin, oder eben einen Helden. Einen ganz modernen, aber menschlichen Helden. Zum Beispiel einen Bundestrainer. Wir leben in einer Spaßgesellschaft. Politische Führungskräfte sind wichtig, aber für den Otto Normalverbraucher intellektuell zu anstrengend. An Lena aber kann sich jeder lehnen. Man kann zu ihr aufsehen, sie bewundern, sie kritisieren, sie lieben, sie in Frage stellen. Eben eine alltagstaugliche Heldin, mit der wir uns identifizieren können.

Also ist der Gelegenheitsstolz eigentlich wohl kein falscher Stolz, sondern unterdrückter. Ist es wirklich nötig, sich für eine Vergangenheit zu schämen, mit der unsere Generation nichts mehr zu tun hat? Oder anders: Haben wir etwas, auf das wir stolz sein können?

Haben wir.

Aller Bürokratie zum Trotz hat jeder die Möglichkeit, sich zu verwirklichen. Und ganz gleich was Pisa sagen mag: wer sich wirklich Mühe gibt, kann ein gutes Bildungssystem nutzen.

Wir leben in einem reichen Land und haben in den vergangenen Jahrzehnten eine große Entwicklung durchgemacht. Unser Gesundheitssystem ist durchaus beachtlich. In wenigen Ländern gibt es eine bessere Versorgung.

Und egal wie sehr wir uns über die Politiker aufregen, unser Sozialsystem ist effektiv und – wenn auch nicht vollkommen – doch recht ansehnlich.

Für all das trägt auch unsere Generation die Verantwortung.

Wir haben keinen Grund uns für unsere Vergangenheit zu schämen. Nur vergessen dürfen wir sie nicht, wenn wir verhindern wollen, dass sich derart Schreckliches wiederholt.

Stattdessen sollten wir lernen uns zu bekennen. Wir sollten unsere Augen öffnen und entdecken, was wirklich gut ist. Ein gesundes Mittelmaß zwischen Stolz und Bewusstsein gegenüber der Vergangenheit befähigt uns am Ende, uns weiter zu entwickeln und zuversichtlich in die Zukunft zu blicken, um ihr selbstbewusst entgegen treten zu können.

Tagged with:
 

Atheist oder Agnostiker

On 28/02/2010, in Privates, by Sandra

Ich habe mich dieser Tage mal wieder mit dem Glauben auseinander gesetzt. Oder besser gesagt: mit meinem Eigenen.

Wenn ich gefragt werde, welcher Religion ich angehöre, habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, mit “Ich bin Atheist.” zu antworten.

Mittlerweile glaube ich aber, dass die meisten Atheisten eigentlich gar Agnostiker sind, ohne es zu wissen. Googelt man diese beiden Begriffe oder begibt sich auf Wikipedia, gibt es zahlreiche Erklärungen. Aber nur die wenigstens sind für 08/15 Noobs wie mich auch insoweit verständlich, als dass ich den genauen Unterschied verstehen könnte.

Man kann aber sagen:

Theist:              Es gibt einen Gott.

Atheist: Es gibt keinen Gott.

Agnostiker:      Ich kann nicht sagen, ob es einen Gott gibt.

Klingt erst mal logisch. Darunter folgte dann allerdings dieser Zusatz:

“Agnostizismus ist aber, im Gegensatz zum Theismus bzw. Atheismus, ein Begriff, der sich nicht nur um die Existenz Gottes dreht, sondern eine philosophische Lehre, die die Erkennbarkeit der objektiven Welt abstreitet.”

Da war es dann wieder dahin, mein Verständnis. Ich dachte der Atheist streitet ab, der Agnostiker hingegen weiß es schlicht und ergreifend nicht.

Also habe ich weiter gesucht und schließlich das hier gefunden:

“Der Unterschied zwischen dem Atheisten und dem Agnostiker ist der, dass ersterer sagt, er erkennt nur an was sich beweisen lässt, während letzterer sagt, er sieht weder Beweise für noch gegen die Existenz eines oder mehrerer Götter.”

Für mich war die Welt jetzt klar.

Nur eines nicht:

Was bin ich?

Ich bin der festen Überzeugung, dass es keinen Gott gibt. Auch wenn ich eingestehen muss, dass es keine Beweise dagegen gibt ? aber eben auch nicht dafür. Ich sage einfach: Ich glaube nur dass, was sich beweisen oder logisch erklären lässt, in Notsituationen jedoch schicke ich heimlich ein ?Stoßgebet? gen Himmel und / oder rede mit jemanden, der nicht (?) ?da? ist.

Bin ich jetzt Atheist oder Agnostiker? Oder gar beides? Geht das überhaupt? Oder sind Stoßgebete und andere Angewohnheiten lediglich die Folgen meiner Erziehung? Dem Religionsunterricht meiner Schule? Dem Einfluss meines sozialen Umkreises in meiner Kindheit? Dem unterbewussten Wunsch während meiner Jugend heraus, dass es dort jemanden gibt, der über mich wacht, wenn schon sonst keiner für mich da ist?

Ich weiß es nicht.

Es sagte mal jemand: Wenn man nicht weiß, ob man Agnostiker ist oder nicht, ist man einer.

Tagged with:
 
Pages: Prev 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Next
  • Twitter
  • Tumblr
  • Facebook
  • Last.fm