Böses Facebook.

Wer sich in einem sozialen Netzwerk anmeldet und ein Profil einrichtet, der muss damit rechnen, dass früher oder später seine Daten geklaut werden könnten. Oder aber, dass sein so genanntes „Real Life“ verkümmert und sich gänzlich in die virtuelle Welt verlagert.

Oder sogar beides.

Wer kennt sie nicht? Die zahllosen Diskussionen über Sinn und Unsinn etwaiger Plattformen wie Facebook, Xing, studiVZ & Co. Kritisiert werden hier oftmals eine mögliche degenerative Entwicklung echter sozialer Kontakte und erhebliche Mängel beim Datenschutz.

Bei den Mängeln handelt es sich unter anderem um die Weitergabe von persönlichen Informationen an Dritte (siehe Beispiel Facebook). Mit diesen Mitteln soll unter Anderem gezielter Werbung auf den entsprechenden Profilen geschaltet werden. Wer sich registriert und anmeldet, der willigt automatisch in die Datenschutzbedingungen ein. Sehr zum Nachteil der Minderjährigen und „Dummen“ unter uns. Denn diese machen sich „zumeist keine Gedanken über die Gefahren“. Heißt aber auch: Eigenes Versagen. Die Ausrede zieht einfach nicht mehr. Unwissenheit schützt nicht, heißt es eben doch so schön. Manchmal habe ich aber den Eindruck, dass der ein oder andere nur dann davon Gebrauch macht, wenn es ihm am besten in den Kram passt.

Gleiches gilt doch auch für jeden anderen Bereich. Wie schnell hat man einen neuen Handy-Vertrag abschlossen, eine Zeitschrift abonniert, an einem Gewinnspiel teilgenommen. Und was braucht man dafür? Richtig. Informationen. Empfindliche Informationen. Nirgends ist es anders. Und obwohl der Datenmissbrauch bei Facebook von vielen so kritisiert wird, haben von 100 Profilen auf Facebook nur 51 % lediglich Freunde und / oder Profilfoto und / oder Wohnort preisgegeben. Die restlichen 49 % geben an, wo sie arbeiten, welcher Religion sie zugehörig sind, ihre Handynummer, Geburtsdatum… Die 500 Millionen Mitglieder – die trotz und alledem da sind und weiter wachsen – erwähnen wir am besten gar nicht erst.

Aber es war schon immer einfacher, die Schuld auf andere zu schieben, statt sich selbst um etwas zu kümmern. Das ist Scheuklappendenken. Es trifft immer die Anderen. Und wenn ich doch dran glauben musste, dann war es nicht meine Schuld. Ganz einfach. Und wer unbedingt doch private Daten ins Netz stellen möchte, könnte sich ja immer noch der Privatsphäre-Einstellungen bedienen. So schwer ist das ja auch nicht. Der Haken daran ist nur: Setzt man sich damit auseinander, hat man nichts mehr zu Mosern.

Und was soll die ganze Aufregung um die „Freunde“? Diesen Begriff sollte man innerhalb eines sozialen Netzwerkes nicht zu ernst nehmen. Jeder versteht, was damit gemeint ist. Welcher andere Name würde denn sonst passen? Bekanntschaften? Klingt eher wie Ex-One-Night-Stands. Kontakte? Hat was von einem Telefonbuch. Letztlich sollen diese Netzwerke ja auch Spaß machen. Und zum ersten Mal habe ich ganz unkompliziert die Möglichkeit, mit meinen Freunden vom anderen Ende Deutschlands Kontakt zu halten. Eine Freundin hat studiVZ genutzt, um sich dort mit ihren Kommilitonen während des Studiums auszutauschen. Ein anderer Freund ist jetzt immer auf dem Laufenden, wie es seiner Familie im Ausland geht.

Manche sind eben doch nur glücklich, wenn sie etwas habe, worüber sie sich aufregen können.

Wo ist Deutschlands Wertgefühl hin?

Dieser Artikel war ursprünglich für einen ganz bestimmten Zweck gedacht. Erwartet wurde ein Text mit maximal 4.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen), was je nach Schriftart und -größe gerade mal 1,5 Seiten in Word bedeutet.

Ich bin mir durchaus bewusst darüber, dass dieses Thema ausführlicher behandelt werden müsste. Ich werde ihn daher eventuell in absehbarer Zeit überarbeiten und komplettieren.

Warum haben wir aufgehört, uns durch unser Land zu definieren? Wo ist unser Wertgefühl geblieben?

Der moderne „Deutsche Nationalstolz“ hat nicht mehr viel mit echtem Patriotismus zu tun. Ausgeprügelt wurde er uns – zu Recht. Wie getretene Hunde ziehen wir die Köpfe ein, wenn wir an unsere Nationalität denken.

Ein Problem der Deutschen, das eigentlich keines sein sollte. Denn für was wir uns schämen liegt mehr als ein halbes Jahrhundert zurück. Trotzdem hat es fast jeder von uns, vorgelebt von der eigenen Familie.

Doch wenn unsere National-Elf bei der WM 2010 ein historisches Tor nach dem anderen schießt, oder wenn Lena in Oslo abräumt, dann sind wir alle Deutschland. Einige wenige unter uns nutzen solche Situationen eventuell aus rein opportunistischen Motiven, wollen dazugehören, dem Ruf der Gemeinschaft folgen. Was mitunter jene stören mag, die sich nie von der Vergangenheit ihre Liebe zum Vaterland haben nehmen lassen. Andere nutzen solche Gelegenheiten, sich zu bekennen und ihrem Nationalgefühl Ausdruck zu verleihen.

Denn jeder braucht ein Vorbild. Sei es einen Präsidenten, eine Kanzlerin, oder eben einen Helden. Einen ganz modernen, aber menschlichen Helden. Zum Beispiel einen Bundestrainer. Wir leben in einer Spaßgesellschaft. Politische Führungskräfte sind wichtig, aber für den Otto Normalverbraucher intellektuell zu anstrengend. An Lena aber kann sich jeder lehnen. Man kann zu ihr aufsehen, sie bewundern, sie kritisieren, sie lieben, sie in Frage stellen. Eben eine alltagstaugliche Heldin, mit der wir uns identifizieren können.

Also ist der Gelegenheitsstolz eigentlich wohl kein falscher Stolz, sondern unterdrückter. Ist es wirklich nötig, sich für eine Vergangenheit zu schämen, mit der unsere Generation nichts mehr zu tun hat? Oder anders: Haben wir etwas, auf das wir stolz sein können?

Haben wir.

Aller Bürokratie zum Trotz hat jeder die Möglichkeit, sich zu verwirklichen. Und ganz gleich was Pisa sagen mag: wer sich wirklich Mühe gibt, kann ein gutes Bildungssystem nutzen.

Wir leben in einem reichen Land und haben in den vergangenen Jahrzehnten eine große Entwicklung durchgemacht. Unser Gesundheitssystem ist durchaus beachtlich. In wenigen Ländern gibt es eine bessere Versorgung.

Und egal wie sehr wir uns über die Politiker aufregen, unser Sozialsystem ist effektiv und – wenn auch nicht vollkommen – doch recht ansehnlich.

Für all das trägt auch unsere Generation die Verantwortung.

Wir haben keinen Grund uns für unsere Vergangenheit zu schämen. Nur vergessen dürfen wir sie nicht, wenn wir verhindern wollen, dass sich derart Schreckliches wiederholt.

Stattdessen sollten wir lernen uns zu bekennen. Wir sollten unsere Augen öffnen und entdecken, was wirklich gut ist. Ein gesundes Mittelmaß zwischen Stolz und Bewusstsein gegenüber der Vergangenheit befähigt uns am Ende, uns weiter zu entwickeln und zuversichtlich in die Zukunft zu blicken, um ihr selbstbewusst entgegen treten zu können.